Einmalhandschuhe in der Pflege: Auswahl, Anwendung und Hautschutz

Medizinische Einmalhandschuhe sind in der Pflege unverzichtbar – aber nur wenn sie richtig ausgewählt und korrekt angewendet werden. Falsche Nutzung kann nicht nur den Infektionsschutz gefährden, sondern auch die Haut der Pflegekraft dauerhaft schädigen.

Die richtige Auswahl: Nicht jeder Handschuh passt für alles

Einmalhandschuhe gibt es aus verschiedenen Materialien: Nitril, Latex, Chloropren und Vinyl. Je nach Einsatzgebiet gelten unterschiedliche Anforderungen:

  • Pflegerische Tätigkeiten: Medizinischer Einmalhandschuh gemäß DIN EN 455
  • Flächendesinfektion und Chemikalienkontakt: Chemikalienschutzhandschuh gemäß DIN EN ISO 374 mit ausreichender Permeationszeit
  • Lebensmittelzubereitung: Handschuhe mit Lebensmittelzulassung (Kelch- und Gabel-Piktogramm)

Wichtig: Der AQL-Wert (Accepted Quality Level) gibt an, wie viele Handschuhe produktionsbedingte Fehlstellen haben dürfen. Gemäß DIN EN 455 sind maximal 1,5 % zulässig – das bedeutet, bei 100 Stück können ein bis zwei Handschuhe bereits vor dem Anlegen defekt sein. Hochwertige Handschuhe mit niedrigem AQL-Wert bieten daher deutlich mehr Sicherheit.

Wann Handschuhe anlegen – und wann ablegen?

Die WHO hat klare Indikationen formuliert:

Handschuhe anlegen bei:

  • Risiko für Kontakt mit Blut, Sekreten, Ausscheidungen oder Körperflüssigkeiten
  • Kontakt mit nicht-intakter Haut oder Schleimhäuten
  • Ausbruchssituationen oder Behandlung auf Isolierstationen
  • Waschen, Duschen oder Baden von Patienten (Feuchtexposition)
  • Umgang mit Flächendesinfektionsmitteln und Chemikalien

Handschuhe ablegen bei:

  • Sichtbarer Beschädigung oder Verdacht auf Perforation
  • Beendigung des Kontakts mit Blut, Sekreten oder Körperflüssigkeiten
  • Wechsel zwischen verschiedenen Tätigkeiten oder Körperregionen
  • Jeder Indikation zur Händedesinfektion (5 Momente der WHO)

Tragedauer: Nicht länger als nötig

Die KRINKO empfiehlt bei intensiver Nutzung einen Handschuhwechsel spätestens nach 15 Minuten und nach jeder Patientenwaschung. Denn mit zunehmender Tragedauer steigt das Perforationsrisiko an den Fingerspitzen. Zusätzlich führt langes Tragen zu Schwitzen unter dem Handschuh – die entstehende Feuchtigkeit schwächt die Hautbarriere und erhöht das Risiko für Hautreizungen und Ekzeme.

Händedesinfektion: Immer – auch mit Handschuhen

Einmalhandschuhe bieten keinen vollständigen Schutz vor Kontamination. Studien zeigen, dass beim Ausziehen in bis zu 44 % der Fälle eine Kontamination der Hände stattfindet. Deshalb gilt:

  • Hände vor dem Anlegen desinfizieren und vollständig trocknen lassen
  • Nach dem Ausziehen immer Hände desinfizieren
  • Desinfektionsmittel vollständig verdunsten lassen, bevor neue Handschuhe angelegt werden – Restfeuchtigkeit kann Handschuhmaterial angreifen

Allergien und Hautschutz

Handschuhinhaltsstoffe – insbesondere Vulkanisationsbeschleuniger – können allergische Kontaktekzeme auslösen. Wer eine bekannte Typ-IV-Sensibilisierung hat, sollte Handschuhe ohne diese Inhaltsstoffe verwenden. Bei längeren Tragezeiten können Baumwollunterziehhandschuhe helfen, Schwitzwasser aufzunehmen und die Haut zu schützen.

Unsere Empfehlungen für die Pflege

Für den professionellen Pflegeeinsatz empfehlen wir geprüfte Handschuhe mit niedrigem AQL-Wert:

Nitril – latexfrei und reißfest

Latex – maximale Tastempfindlichkeit

Fazit

Einmalhandschuhe sind ein wichtiges Werkzeug im Infektionsschutz – aber kein Allheilmittel. Wer sie gezielt einsetzt, regelmäßig wechselt, die Händedesinfektion nicht vernachlässigt und auf Hautschutz achtet, schützt Patienten und sich selbst optimal.

Quelle: Wissenschaftlicher Fachartikel – PubMed Central: Auswahl und Anwendung medizinischer Einmalhandschuhe in der Pflege

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